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Chronik

Karnevalsgesellschaft „Roahser Jonges“ von 1936 e.V.


Chronik

Die hier vorgelegte Chronik der KG „Roahser Jonges „ erhebt nicht den Anspruch lückenlos oder gar vollständig zu sein. Sie beschreibt auch nur, was über die Präsidenten und Vorsitzende der frühen Jahre zu erfahren war, und hört bei einem der „Großen Vorsitzenden“ – Willi Tillmann – auf. Alle, die Willi Tillmann folgten (W. Hummen, W. Genenger) sind noch zu aktiv, als dass sie schon Gegenstand historischer Betrachtungen sein könnten.


Die Anfänge


Wenn man eine Chronik der KG“Roahser Jonges“ schreiben will, darf man nicht mit dem Gründungsjahr anfangen. Die Wurzeln dieser ältesten Alt-Viersener Karnevalsgesellschaft reichen bis in das Jahr 1910 zurück. Damals gründete sich im Rahser der Turnverein Viersen Rahser 1910 der später mit dem Spielverein Viersen Rahser zu Tuspi fusionierte.


Wie jeder anständige Turnverein unterhielt auch der Rahser Verein-ganz im Sinne von „Turnvater Jahn“- eine Abteilung, die das Theater – Laienspiel pflegte. Geselligkeit kam im Rahser nie zu kurz. Zahlreiche Stiftungsfeste zum Beispiel zum 25 jährigen sind den Teilnehmenden durch die Darbietungen der Theatergruppe lange in Erinnerung geblieben.


Franz von der Maßen blieb es dann vorbehalten 1935, im Anschluss an die Feierlichkeiten zum 25 jährigen von Tuspi Viersen Rahser die „Karnevalsabteilung Roahser Jonges“ ins Leben zu rufen.


Es existiert eine Liste , die die damaligen Gründer namentlich benennt. Sie umfasst 38 Namen. So mancher unserer Gäste wird dort vielleicht den Namen seines Vaters, Großvaters oder Urgroßvaters wiederfinden. Bei Interesse kann diese Liste über den Geschäftsführer der KG „Roahser Jonges“ angefordert werden.


Die neue Abteilung wuchs schnell an, und drängte alsbald zur karnevalistischen Schau. Im Februar 1936 konnte die erste „Gala-Prunk-Sitzung“ veranstaltet werden. Seit diesem ersten öffentlichen, dem Karneval gewidmeten Auftritt, nannte sich die neue Formation

 

Karnevalsgesellschaft „Roahser Jonges“ 1936 im Tuspi


( der Zusatz „im Tuspi“ verschwand erst 1965, als „Tuspi“ mit „01“ fusionierte.)


Der Elferrat erschien mit Papiermützen und geliehenen Uniformen


Erster (Sitzungs-)Präsident war natürlich Gründervater Franz von der Maßen. Noch im Gründungsjahr wurde ein Karnevalsumzug auf die Beine gestellt und ein Prunkwagen gebaut. Der Prunkwagen war für den ersten Karnevalsprinzen der „Roahser Jonges“ Walter I. (Reuter )


So hatten nicht nur „die in der Stadt“ einen Prinzen Walter I. (Didden) sondern auch die „Roahser“.


Gleichzeitig formierte sich auch die Prinzengarde, die bis heute das Rückgrat der Gesellschaft ist.


Die Garde erschien bei der Großen Prunksitzung der „Großen Viersener Karnevalsgesellschaft“ in der Festhalle Viersen und wurde „mit starkem Beifall“ begrüßt. (Zitat aus der „Rheinischen Landeszeitung vom 24.02 1936.

Grün-Weiß waren die Uniformen der Prinzengarde, was wohl mit den Leihgebern zu tun hatte.


Da zu dieser Zeit Frauen in der Prinzengarde noch nicht erwünscht waren,-oder nicht zu Verfügung standen-, ein Prinzenmariechen aber gleichwohl dabei zu sein hatte, wurde Ernst Hummen (Humme – Wursch ) kurzerhand zum Mariechen um dekoriert. Wie man sagte, soll dieses Mariechen dem ganzen Hofstaat die Schau gestohlen haben.

Ramm di Bamm


Einem Auftritt, wie dem des zuvor beschriebenen Mariechens, hätten heutige Präsidenten ein Vielfaches Helau oder aber ein dreifach-kräftiges Ramm-di-bamm zukommen lassen. Diesen bekannten Rahser Schlachtruf gab es damals noch nicht. Er wurde erst zwei oder drei Jahre später kreiert. Über seine Entstehung erzählt man sich folgende Geschichte:


Als eine der ersten Straßen im Rahser erhielt die Sittarder Straße eine Asphaltdecke. Pongs&Zahn hatte wohl seinen Einfluss geltend gemacht, lagen doch seine Betriebsstätten an eben dieser Straße. Ein pfiffiger Büttenredner hatte dieses „Ereignis“ in seine Vortrag eingebaut und brachte als durchgehende Pointe den Spruch: „Ramm –die bamm, Ramm–die bamm im Roahser ham`se Makadam“!! Der Rahser Schlachtruf war geboren und erschallt nun schon über siebzig Jahre zur närrischen Zeit in der ganzen Stadt.


Nachkriegsjahre


Krieg- und Nachkriegsjahre brachten das närrische Treiben im Rahser und in der ganzen Stadt fast zum erliegen. Aber schon 1948 wurde im Saal Viktor Jentges an der Sittarder Straße die erste „Gala-Prunk-Sitzung“ aufgezogen. Altprinz Walter Reuter leitete als Präsident die Veranstaltung. Dieses Amt hatte er bereits 1938 von Franz von der Maßen übernommen.


Mit der wieder erwachenden Lebensfreude fanden nun auch endlich die Angehörigen des sog. Schwächeren Geschlechts Zugang zur Gesellschaft. Das Mariechen war von da an ein echtes Mariechen, und das „Vorbild“ Ernst Hummen brauchte als solches nicht mehr bemüht werden.


Im Amte des Präsidenten (-Präsident heißt hier nicht nur Sitzungspräsident, sondern auch 1. Vorsitzender !! ) folgte Josef Nilkes der diese Funktion bis 1956 ausübte.

 


Auf seine Initiative hin wurde im Rahser der Kinderkarneval begründet. Er und der Rahser Volksschullehrer Hanns Seidler (Seidler-Papp) gelten als die „Väter des Kinderkarnevals in Viersen“.


Und das kam so: Im Jahre 1954 wurde in Viersen ein „Fest der guten Nachbarschaft“ aufgezogen. Mit diesem Fest sollte versucht werden, die durch die Kriegsereignisse stark gestörten Beziehungen zu den Nachbarn (Holland, Belgien) wieder etwas zu verbessern. Die Viersener Vereine waren aufgefordert sich an dem großen Festumzug zu beteiligen. Die „KG Roahser Jonges 1936 im Tuspi“ wollte mit Kindern das beliebte Karnevalsspiel darstellen, einen bunten Umzug veranstalten und auch ein Prinzenpaar präsentieren. Zu diesem Anlass wurde dann im Rahser das erste Kinderprinzenpaar gekürt. Dieses Spiel hatte den Beteiligten so viel Spaß bereitet, das im folgenden Jahr, zur richtigen Karnevalszeit, im Rahser ein Kinderkarnevalszug durchgeführt wurde, bei dem sich Prinz Hansi I. (Haas) und Prinzessin Irmgard I. (Nilkes ) noch einmal zeigen durften.


Im folgenden Jahr, 1956, wurde im Rahser ein weiterer Kinderkarnevalszug ( mit neuem Prinzenpaar ) veranstaltet.


Im Jahr 1957 erfolgte die Gründung des „Festausschusses Viersener Karneval“, einem Zusammenschluss der Alt Viersener Karnevalsvereine. Jupp Nilkes und Franz von der Maßen waren es, die sich um das Zustandekommen dieses Zusammenschlusses sehr bemüht haben. Die Widerstände waren nicht unerheblich, befürchteten doch so manche Gesellschaftspräsidenten, dass ein gesamtstädtischer Karneval den Sektionskarneval austrocknen könnte- eine Befürchtung, die sich gerade bei den „Roahser Jonges“ als unbegründet herausstellte.


Ebenfalls im Jahre 1957 und unter der Verantwortung des „Festausschusses“ wurde in Viersen ein gesamtstädtischer Kinderkarnevalszug (der heutige Tulpensonntagszug) durchgeführt. Das Rahser Kinderprinzenpaar war fortan das „Kinderprinzenpaar der Narrenherrlichkeit Viersen“. Das Jahr 1957 ist auch das Jahr, in dem der erste Kinderbüttennachmittag im Rahser stattfand.


Als 1956 ein Nachfolger für Jupp Nilkes gesucht wurde, und sich keiner fand, der „es machen wollte“, traten die „Gründerväter“ noch einmal an. Sie sorgten dafür, dass das Narrenschiff im Rahser nicht auf Grund lief.


Franz von der Maßen ( bereits 1955 zum Ehrenpräsidenten ernannt ) übernahm von Jupp Nilkes, und gab 1958 an Walter Reuter, dem Prinz von 1936, weiter. Ihm folgten Gerd Maritzen, Fritz Korte und Theo Brügger.

Die Ära Willi Tillmann


Willi Tillmann wurde 1961 zum Vorsitzenden der KG „Roahser Jonges“ gewählt und blieb es bis zu seinem Tode 1990


Als 1. Vorsitzender der „Roahser Jonges“ konnte und wollte Willi Tillmann nicht den Sitzungspräsidenten geben. Aber er verstand es wie kein Zweiter die richtigen Leute an den richtigen Platz zu bringen. So stellte er dem als Sitzungspräsidenten hoch erfahrenen Theo Sillekens den jungen Hans Fleuth an die Seite, damit er das Geschäft erlerne. Von 1964 bis zu seinem Tod 1991 war Hans Fleuth das Aushängeschild der Gesellschaft. In souveräner Gelassenheit leitete er die Büttenabende und verstand es besonders gut, den jungen Akteuren der Kindersitzungen die Nervosität zu nehmen. Im Jahre 1977 kam, -wiederum auf Betreiben von Willi Tillmann-, Wilfried Hummen als 2. Sitzungspräsident hinzu. Dies war eine weitsichtige Maßnahme, die sich als Segen für die Gesellschaft heraus stellen sollte. Als Willi Tillmann im Oktober 1990 überraschend verstarb, verlor die Gesellschaft ihren großartigsten Organisator. Unter seiner Führung erlebten die „Roahser Jonges“ einen neuerlichen Aufschwung. Seine Personalpolitik erwies sich als weitsichtig. Von seinen Entscheidungen und Weichenstellungen profitiert die Gesellschaft noch heute.

Wie eingangs geschrieben, soll diese kleine Chronik der KG „Roahser Jonges“ hier vorläufig enden. Zu einem späteren Zeitpunkt wird es sicherlich eine Beschreibung der „Ära Hummen“ und der „Ära Genenger“ geben.

Viersen, im Oktober 2007

Solbach